Sonntag, 30.09.07: Anna schaut sich Pflanzen an

Der Sonntag läuft extrem entspannt. Im Wohnheim ist es schon fast unheimlich ruhig, da ein Teil der Erasmusstudenten noch in Danzig ist. Mir ist es schon fast zu ruhig. Zum Auskurieren ist es aber ganz gut. Ich habe viel geschlafen. Und viel telefoniert.


Zum Mittag gibt es Pfannkuchen. Mit Äpfeln drin. Lecker.


Um ein wenig das tolle Wetter zu genießen, gehe ich mit Beate und Lydia in den botanischen Garten. Hier sind außer uns noch viele Pärchen, die sich auf die Parkbänke kuscheln, und jede Menge Familien, die Fotos von Kindern zwischen Blumen machen. Der Sonntag klingt damit auch schon langsam aus.



Samstag, 28.09.07: Anna geht in den Zoo















Am Abend zuvor verabreden wir uns für einen Besuch im Zoo. Um 12:00h geht es los. Die Jungs kommen total verkatert an, trotzdem gut drauf. Es weiß niemand so recht den Weg bzw. die Straßenbahnverbindungen. Außerdem wird gerade eine Brücke saniert, so dass nicht alle Linien planmäßig fahren. Gott sei Dank haben wir Beate dabei, die polnisch sprechen kann, so dass wir uns durchfragen können. Endlich kommen wir am Maltasee an. Das ist ein stadtnahes Erholungs- und Sportgebiet mit einem riesigen See, einer Skipiste, und vielem mehr. Der Zoo liegt auch in diesem Park, allerdings auf der anderen Seite des Sees. Wir haben zwei Möglichkeiten: erneut eine Straßenbahn benutzen oder mit der Parkeisenbahn zum Zoo tuckeln.

















Wir entscheiden uns natürlich für die Parkeisenbahn und quetschen uns auf die für Kinder ausgelegten Sitze. Das Zoogelände ist riesig und wirkt mehr wie ein Park mit Waldstücken und Seen. Dazwischen dann immer wieder Gehege. Es gibt wenig große Tiere, dafür eine Menge Vögel, Insekten, Katzen und Mäuse. Die Portugiesen sind sehr verwundert darüber, dass es hier im Zoo Heuschrecken und Gottesanbeterinnen gibt.



Freitag, 28.09.07: Anna bekommt Internet

Viel mehr passiert heute eigentlich wirklich nicht. Den Vormittag verbringe ich damit, zu schlafen und zu lesen. Zwischen 13:00 und 15:00h soll ein Monteur wegen des Internetanschlusses im Wohnheimzimmer vorbeikommen. Er kommt natürlich etwas später, dafür funktioniert dann alles auf Anhieb und ich kann sofort lostelefonieren.


Am späten Nachmittag mache ich mich mit Lydia und Beate auf in die Stadt, bevor mir die Decke auf den Kopf fällt. Zunächst holen wir eine Bankkarte für Beate ab, dann schlendern wir durch die Einkaufsstraße. Wir erreichen schließlich STARE BROWAR, die alte Brauerei. Das ist ein beeindruckendes Backsteingebäude (Fotos werden nachgeliefert), das zu einem Einkaufs und Kulturzentrum umgebaut wurde. Die alten Teile der Brauerei wurden um viel Glas, Holz und Metall ergänzt. Mir gefällt das sehr gut.


Der Abend verläuft wieder sehr ruhig. Wir holen uns Pizza, essen sie in der Küche und schauen den portugiesischen Jungs beim Kochen zu: sie versuchen sich an Pommes. Da sie aber die TK-Pommes in einem kleinen Topf frittieren, brauchen sie enorm lange.

Donnerstag 27.09.2007: Anna ist krank und sucht den IKEA

Ich wache auf, weil ich glaube, keine Luft mehr zu bekommen, der Schädel brummt und es kratzt im Hals. Gestern Abend hab ich mich schon angeschlagen gefühlt, aber viel Wasser und prophylaktisches frühes Schlafengehen hat nichts genutzt, das ist nichts gegen heute. Ich beschließe vor der Uni noch einmal in der Apotheke vorbei zu schauen. Ich finde auch gleich neben der Haltestelle am Wohnheim eine. Die Apothekerin ist zwar unglaublich nett, versteht aber leider kein Wort Deutsch oder Englisch.


Ich hatte mir vorher im Sprachführer den Satz „Ich bin erkältet und habe Husten“ herausgesucht und ihn auswendig gelernt „Jestem przeziebiona i mam kaszel“. Bitte einmal laut aussprechen, damit ihr seht, wie es euch die Zunge bricht. Die Apothekerin hat mich aber verstanden, wahrscheinlich auch, weil meine Nase so rot leuchtet, dass nicht zu übersehen ist, dass ich erkältet bin. Ich bekomme eine Packung mit der Aufschrift Gripex MAX. 10 riesige Tabletten, auf Paracetamolbasis, wie wir nachher in dem Beipackzettel übersetzen können.


In der Uni gehe ich zur Sprechstunde des Koordinators für das Doppeldiplom, dem polnischen Professor Brezinski, wenn man so möchte. Er ist total nett, kann super deutsch sprechen und ist sehr bemüht seinen ausländischen Schützlingen alle Steine aus dem Weg zu räumen. Er nennt mir eine Professorin, bei der ich wegen der Diplomarbeit vorsprechen soll. Das kann ich gleich in der nächsten Woche machen. Dann folgen noch einige Formalitäten, aber eigentlich läuft bisher noch alles sehr rund.


Am Nachmittag machen wir uns zu vier Mädels auf den Weg zum IKEA. Wir möchten Schreibtischlampen und Regale für die Badezimmer besorgen. Aus der Planung, wie man am besten dahin kommt halte ich mich heraus, meine Denk- und Reaktionszeiten haben sich durch die Erkältung bedenklich verlängert. Der IKEA liegt auf der anderen Seit der Stadt und wir verfahren uns erst einmal kräftig. Als wir genervt unseren Fehler bemerken, aussteigen und nach dem Weg fragen, treffen wir auf einen netten polnischen Jungen, der gerade auf dem Weg zum IKEA ist, um dort nach einem Nebenjob zu fragen. Wir schließen uns an und kommen darauf hin relativ gut an.


Ich bin fertig und geh früh schlafen.

Mittwoch, 26.09.2007: Anna feiert

Dienstag Abend, das Wohnheim tobt. Die erste offizielle Küchenparty nimmt seinen Lauf. Das heißt eigentlich das erste Küchenvorglühen. Da der Raum beinahe leer ist hallt das Stimmengewirr von den Wänden und man versteht kein Wort mehr. Dazu plärrt aus einem Laptop Musik, welche ist schwer zu identifizieren. Die Stimmung ist super. Wer sich über wichtige Dinge unterhalten mag (Studienordnungen der Universitäten, Kurswahl, ECTS points...) flüchtet auf den Flur, da es hier ein wenig leiser ist. Nicht viel, aber ein wenig.


Dann die große Aufbruchstimmung. Gerüchteweise soll es heute eine große ERASMUS-Auftakt Party geben. Zum Glück ist ein Studentin aus dem letzten Semester dabei. Sie kennt den Club, in dem diese Partys gewöhnlich stattfinden und die Abfahrtszeiten der Straßenbahn.


Es stellt sich heraus, dass die ERASMUS- Party wirklich nur ein Gerücht ist. Wie wir erfahren, findet sie erst einen Tag später, am heutigen Mittwoch statt. Das heißt also umdisponieren. Ein fröhlich daherbrabbelnde Gruppe von gut 20 Personen marschiert bei Nieselregen durch die Altstadt. Unser Ziel: das Terrytorium. Ein Club in einem Gewölbe in der Nähe des Altmarktes. Die Atomsphäre stimmt, die Musik ist nicht ganz meine (House könnte man es vielleicht nennen), aber da alle auf der Tanzfläche sind – und Dank des Wodkas, kann ich meine Abneigung überwinden und habe trotzdem einen lustigen Abend.


Der Mittwoch morgen ist für mich sehr entspannt. Ich habe nur einen Kurs am Nachmittag (mein Stundenplan konzentriert sich auf den Anfang der Woche und wird zum Wochenende hin immer luftiger). Ich beschließe, einen der größeren Supermärkte aufzusuchen, um etwas Geschirr zu kaufen. Das klappt erst auf den zweiten Versuch, ich verlaufe mich ein wenig.


Nach den Kursen stellt sich ein wenig Ruhe, aber damit auch die Sehnsucht nach zu Hause ein. Die erste der sechs-Wochen-Etappe ist bereits vorüber, doch bis zum nächsten Besuch in Harsewinkel erscheint die Zeit noch sehr lang. Das bedeutet, ich werde gleich durchs Wohnheim streifen und mir etwas Ablenkung verschaffen.

Dienstag, 25.09.2007: Anna legt sich mit polnischen Schimmel an

Ludmila steht um 4:30h auf. Ihr Freund ist für eine Stunde Zwischenaufenthalt in Poznan und bringt ihr noch Wörterbücher, etc. mit. Ich werde auch wach, schlafe dann aber wieder ein sobald das Licht angeht. Das Leid des Doppelzimmers.


Um Acht starten erneut Kurse. Wieder füllen diese nicht die gesamte Zeit aus. Nach meist einer halben Stunde endet der Kurs. In allen Kursen werden Gruppenarbeiten und Präsentationen neben einer schriftlichen Prüfung gefordert. Darauf bin ich schon sehr gespannt: in Polen steht man angeblich auf sehr bunte und poppige Präsentationen mit viel Geblinke, Bildern und Animationen. Das Gegenteil des nüchternen, seriösen Stils, der an deutschen Schulen, Firmen und Universitäten gefordert wird. Diese Gruppenarbeiten bedeuten zwar auf der einen Seite, dass ich auch während des Semesters mehr zu tun bekomme, entlasten aber auf der anderen Seite die Klausurphasen, da man nicht nur auf die Punkte der Klausur angewiesen ist.


Den Kurs „Marketing and Management of services“ leitet ein englischer Professor mit grauem Pferdeschwanz und Bart und einem Hang zu Pink Flyod Zitaten und seinem polnischen Kollegen, der seinen Humor teilt und bekennender Fußballfan ist („falls ihr mal Karten für ein Poznan-Spiel benötigt, sagt Bescheid, wir haben da mal was mit dem Management gemacht....“). Der Kurs verspricht gut zu werden, schon allein wegen der Dozenten.


Zurück im Wohnheim angelangt, versuchen wir an der Rezeption zu erklären, dass es in unserem Bad schimmelt. Mit Hilfe von Händen und Füßen, danach einem Wörterbuch und schließlich einer polnischen Studentin mit guten Englsichkenntnissen, schaffen wir es, der Rezeptionsdame (absolut keine Deutsch- oder Englischkenntnisse) zu erklären, wo das Problem liegt. Morgen wird man sich darum kümmern. Klasse.

Montag, 24.09.07: Anna belegt die ersten Kurse

Erster Uni-Tag, jetzt wird es ernst. Denke ich. Letztendlich ist es immer noch sehr entspannt. Ich habe heute drei Kurse. Der erste: cultural differences in international business. Die noch sehr junge Professorin spricht zwar nicht das beste Englisch und redet sehr leise, der Kurs scheint aber interessant zu werden. Was mich erstaunt: fast nur polnische Studenten belegen diesen Kurs. Die Stunde endet nachdem die Professorin den Ablauf des Kurses und die Notenfindung erklärt hat, also nach einer knappen halben Stunde.


Wir holen unsere Studentenausweise ab. Die sehen hier irgendwie klasse aus: aus dicker schwarzer Pappe, mit einem eingeklebten Passfoto (hier taucht es also wieder auf) und handschriftlich ausgefüllt. Mit dem polnischen Studentenausweis dürfen wir jetzt auch offiziell die ermäßigten Tickets für die Straßenbahn nutzen. Da haben wir uns zuvor bewusst dumm gestellt („Aber ich habe doch einen Studentenausweis. Wie der ist hier nicht gültig?“)


Auch der nächste Kurs füllt nicht die angesetzte Gesamtzeit aus. Nach etwa einer Stunde Einführung in die Methoden des Marketing lässt uns die super-englisch-sprechende Professorin gehen. Wir nutzen noch einmal die Zeit, um das Internet der Uni zu genießen.


Der nächste Kurs „History and Culture of Poland“ ist sehr vielversprechend. Neben den 'normalen' Unterrichtsstunden sind hier Ausflüge ins Museum, ins Theater, nach Krakau und zu einem Konzert einer beliebten polnischen Rockband (KULT) geplant. Die Note dieses Kurses setzt sich aus einer Zusammenfassung eines Ausflugs und einer Diaschau/Film/Theaterstück... über die Eindrücke aus Polen zusammen.


Nach der Uni beantragen wir Internet. Am Freitag soll dann schon Anschluss auf unserem Zimmer verfügbar sein. Dann kann ich auch anfangen, nach Hause zu telefonieren, also länger und regelmäßiger. Da freue ich mich auch schon drauf, die vertrauten Stimmen fehlen mir schon.


Am Abend starten wir dann eine Kochaktion. Zu siebt kochen wir Nudeln mit Bolognese und Salat. In der Küche trifft sich der halbe Flur. Man spricht 'ERASMUS'- eine Mischung aus Polnisch, viel Englisch, viel Deutsch, Russisch, Französisch und ein Hauch Türkisch. Ich fühle mich extrem wohl und irgendwie international – ein Mädchen von Welt sozusagen.

Sonntag, 23.09.07: Anna putzt und genießt die Sonne

Ludmila und ich schlafen aus. Das erste Mal seit unserer Ankunft. Den Abend gestern haben wir im Wohnheim verbracht: im Zimmer der Portugiesen im ersten Stock. Die sechs Jungs sind erfreut über ihren deutschen Damen- und Danielbesuch. Sie erfreuen uns, indem sie uns Bier anbieten und uns portugiesische Schimpfwörter beibringen. Ich kann mich nur noch an das Wort für „Penis“ erinnern, das man laut Joao aber auch in positiven Zusammenhängen benutzen kann. Ich glaube ihm kein Wort. Man tauscht sich aus, lacht viel, und tanzt schließlich sogar.


Nach dem Aufstehen schrubben wir das Bad und das Zimmer. Den ganze Tag riecht es noch nach Putzmittel. Aber trotzdem fühle ich mich wohler.


Gegen Mittag machen wir uns auf zur Uni. Die Gebäude haben auch Sonntags geöffnet. Wir können also das WLAN nutzen und Mails checken, den Blog aktualisieren und Bescheid geben, dass Poznan eigentlich toll ist. Stefan ist kurz online, ich freue mich. Um die Sonne noch etwas zu genießen, laufen wir noch ein wenig durch die Stadt und essen an einem Imbissstand Zapiekana, eine Art überbackenes Baguette. Natürlich sprechen wir das Wort natürlich total falsch aus, und die Verkäuferin lacht. Später ist Ludmila der festen Überzeugung, dass das Wort, das wir benutzen auf russisch „betrunken“ heißt. Im Wörterbuch finde ich aber kein ähnliches Wort im Polnischen. Betrunken heißt hier „pijjani“.


Nach dieser riesigen Zwischenmahlzeit, setzen wir uns auf dem Altmarkt zwischen all die anderen Leute (Touristen und Einheimische) auf eine Bank und genießen die Sonne. Ein wahrhaft fauler Sonntag.

Samstag, 22.09.07: Anna lernt etwas über Poznan



Um halb sechs werde ich kurz wach. Ein Riesenlärm auf dem Flur. Die letzten kehren vom Bowlingabend heim: Sie sind noch in einer Diskothek versackt. Um 11:00h treffen wir uns zu einer Stadtführung an der Kathedrale wieder – nicht alle, ein Teil der Studenten kennt die Stadt bereits sehr gut, ein anderer Teil der Studenten kuriert sich von den Strapaze der Nacht. Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Es gibt einen alten Haudegen von Stadtführer – einer dieser Entertainer, die zu jedem Winkel der Stadt eine Anekdote zu erzählen wissen und den Mädels alle Nase lang zuzwinkern. Auf der anderen Seit steht eine blonde Frau, ein wenig der Typ Bücherwurm, der nur schwer aus sich heraus kommt, aber dafür sehr viele Fakten und Zahlen weiß. Ich werde der blonden Frau zugeordnet. Sie spricht Englisch mit einem starken polnischen Dialekt, sie spricht sehr leise und es strengt an ihr in ihren Ausführungen über die wichtigen Persönlichkeiten (Bischöfe und Könige) und den Daten in der Geschichte Poznans und Polen zu folgen. Um sie gut zu verstehen muss man direkt vor ihr stehen, und dann redet sie nur noch mit dir ud lässt dich nicht mehr aus den Augen. Eine Stunde führt sie uns durch die Kathedrale, zwei weitere durch die Altstadt Poznans. Auf dem Stare Rynek (Altmarkt) wird sie von einer Rockmusik spielender Teenager übertönt – heute ist auch der 2. Europäische Jugendtag in Poznan. Aber mit Ausnahme der Band, bemerkt man nicht so viel davon.


Irgendwann stellt sich der Informationsoverkill und der Hunger ein. Um Halb drei entlässt sie uns und wir begeben uns auf die Such nach etwas Leckerem. Wieder mit knapp 20 Leuten. Die Meinungen und Wege trennen sich. Wir seilen uns recht schnell ab, treffen dann aber wieder Einige der Gruppe in der Pizzeria wieder. Hauptsache Sitzen. Die brennenden Füße sind schon zur Gewohnheit geworden. Neu sind eher die Rückenschmerzen. Könnte an der Wasserflasche liegen, die ich zwar in der Tasche mit mir herumschleppe, aber völlig vergessen habe. Ich trinke hier viel zu wenig. Inklusive des Alkohol. Auch wenn mir das zu Hause wieder keiner glauben wird.

Freitag, 21.09.2007 Anna schaut sich die Uni an



Heute gibt es an der Uni eine Einführung. Die Erasmuskoordinatorin gibt uns eine Einführung über die Uni und das Studium in Poznan. Außerdem wird der Stundenplan ausgeteilt. Nur die Hälfte meiner Kurse kommt zustande. Aber laut Verena ändert sich durch das Doppeldiplom so oder so noch einiges für mich. Also heißt es erst einmal abwarten und sich auf einige Kursänderungen einstellen. Außerdem werden Taschen, Kulis und Tassen verteilt, sehr zur Freude Suvis, die bisher ihren Tee aus geborgten Gläsern trank.


Danach gibt es eine Führung über das Campusgelände. Es gibt verschiedene Gebäude, die alle wesentlich imposanter sind, als die Unigebäude in Freiberg. Das Ganze birgt einige Verirrungsrisiken, aber welche Uni kann diese nicht aufweisen? Anschließend werden wir zum Esse in der Mensa eingeladen. Es gibt – typisch polnisch – Pirogi, ein Art Maultasche mit Quark und Kartoffelfüllung. Dann werden wir entlassen.

Wir machen uns auf den Weg, um uns polnische Handynummern zu besorgen. Das klappt auch nach unzähligen Fragen und Versuchen. Die deutsche SIM Karte hat jetzt erst mal Pause. Der Vorteil an dem polnischen Tarif: angeblich kann man über das Internet kostenlose SMS auf mein Hand schreiben. Jeder selbst in Deutschland. Das muss sich aber erst noch als richtig herausstellen...


Beinahe nahtlos starten wir in das Abendprogramm: Bowling mit nahezu 50 Leuten. Dafür, das ich Bowling hasse, schlage ich mich erstaunlich gut. Mir gelingt sogar ein Strike – pures Glück. Um 21:00h fängt die Bahn an zu blinken. Diese Bowlingbahn ist eine Mischung aus Spielhölle, Internetcafe und Club. Seltsam aber einigermaßen beliebt. Wir wechseln im Laufe des Abends die Location und Essen mit der Gruppe (immer noch nahezu 40 Personen) in einer Restaurantkette und überfordern damit die Kellner restlos. Ich setze mich nach dem Essen mit einigen anderen ab. Wir wollen zurück zum Wohnheim, weil der Samstag wieder das Potential hat, anstrengend zu werden. Natürlich verpassen wir wieder knapp den Nachtbus und laufen zurück zum Wohnheim. Ankunft um 0:30h. Ich falle eigentlich nur noch ins Bett und schlafe mit brennenden Füßen ein.

Donnerstag, 20.09.2007: Anna läuft und staunt

Nach Ludmila, meiner neuen Zimmernachbarin, die um 6:00h ankommt, mich weckt und anschließend einzieht und auspackt, weckt mich strahlender Sonnenschein zum zweiten Mal an diesem Morgen. Ich bin mit Aga verabredet, sämtliche Behördengänge zu erledigen. Also wird nichts mit Sonne genießen und Stadt ansehen. Den halben Tag verbringen wir damit, den Behörden zu erklären, dass ich eine zeitlang hier bleiben werde. Mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Außerdem beantragen wir ein Monatsticket für die Straßenbahn. Es überrascht mich, dass man für nahezu jedes Dokument ein Passbild braucht. Absolut zufällig hatte ich in Harsewinkel noch Bilder gemacht, weil ich die meine letzten Bilder für die Bewerbung benötigt habe (die tauchen vielleicht in einem Studentenausweis wieder auf). Vor der Unmasse Bilder wurden wir vorher nicht informiert, und so manch ein Erasmusstudent läuft zunächst zum nächsten Fotografen.


Am Nachmittag sorgt Aga dafür, dass ihre anderen Schützlinge sicher in das Wohnheim gelangen. In dieser Zeit habe ich frei und erkunde auf eigene Faust die Stadt. Unweit des Wohnheims liegt ein großzügiger Park, den ich schon jetzt liebe. Das totale Gegenteil von der Enge des Zimmers. Hier tummeln sich tagsüber Mütter und Eichhörnchen. Mitten im Park stoße ich auf ein Gebäude, mit einem Flugzeug auf dem Dach und Panzern vor der Tür. Ich lese später, dass der Park früher zu einem Festungsgelände gehörte, und deshalb heute ein Museum mit äh Armeegeräten beherbergt. Weiter geht es in die Stadt. Ich bin auf der Suche nach meiner Bankfiliale und finde sie auch prompt, obwohl ich hätte sicherlich auch direkter laufen können. Außerdem gelange ich auf den Altmarkt mit den bunten Krähmershäusern, bunt bunt und nochmals bunt. Die Krönung ist aber eigentlich das Rathaus. Der Renaissancebau hat mit einem „typischen“ Rathaus nicht viel zu tun. Es erinnert eher an ein kleines Märchenschloss. Den Rückweg bestreite ich per Straßenbahn, heute Abend wird schließlich wieder losgezogen.

Mittwoch, 19.09.07: Anna kommt an


Nach einen tränenreichen Abschied (der war wirklich mal gruselig), ging es dann heute am Mittwoch schwer bepackt auf nach Poznan, Polen. Der Zug nach Berlin war der Horror. Ich hatte nicht mitbekommen, dass in Hannover Messe ist, und verzichtete deshalb auf eine Sitzplatzreservierung. Fehler. Der ICE war auf der gesamten Strecke brechend voll. Na ja bis Berlin Mitte, aber für die letzten zehn Minuten wollte ich mein Gepäck dann auch nicht mehr zu einem der Sitzplätze schleppen.


Der Zug nach Poznan war dann um einiges entspannter. Nur der Riesenkoffer vor dem Abteil störte den Kawa-Herbata-Mann, der mit seinem Verkaufswagen im Zug unterwegs war. Am Bahnhof angekommen, war ich dann doch ziemlich froh, dass ich abgeholt wurde. Es war total voll und unübersichtlich. Gott sei Dank, erkannt mich Aga sofort (sie ist kleiner als ich sie erwartet hatte, aber genauso nett).


Das Zimmer ist schnell gesagt ... überschaubar. Das Bad hat einen Hang zum Ekligen. Insgesamt wenig Stauraum, alles minimalistisch, schreckliches Licht und halt ein Doppelzimmer. Kurz hatte ich auch eine Mitbewohnerin: eine junge Polin, die ihr Studium an der Wirtschaftsuni beginnt: hübsch, gute Deutschkenntnisse, aber total unsicher und schüchtern. Leider ist sie dann auch sofort in ein anderes Zimmer verlegt worden: Auf diesem Flur wohnen nur ERASMUS-Studenten. Zu viel Party! Sie muss lernen. Sie kam dann aber gleich darauf auf einen Tee vorbei und möchte öfters vorbeikommen, zum Quatschen (und feiern) und dabei ihre Deutsch- und meine Polnischkenntnisse verbessern.


Neben mir ist eine Finnin eingezogen, sehr nett und teilt mit mir die Meinung über das Bad. Wir sind dann auch kurz darauf gemeinsam losgezogen, um Putzmittel zu besorgen.

2 Tage vor Abfahrt - das große Packen beginnt

Langsam wird es spannend. Die Stunden vor der Abreise nach Polen werden immer übersichtlicher und meine persönliche Packliste immer länger. Was man so alles braucht?? Vermutlich viele warme Sachen.

Im Folgenden findet ihr hier (ich bemühe mich um Regelmäßigkeit) meine Eindrücke und natürlich Bilder aus Polen, ganz speziell Poznan und meinen Studium an der Wirtschaftsuniversität.

Viel Spaß damit!