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Sonntag, 06.04.2008: Anna in Wroclaw/Breslau II

Nach einer doch recht kurzen Nacht, frühstücken wir zunächst, packen unsere Sachen zusammen und machen uns dann noch einmal in die Stadt Wroclaw auf. Unser Ziel ist die Hala Ludowa, die Jahrhunderthalle. 1911 erbaut, diente sie als Schauplatz für eine Jahrhundertausstellung zum Gedenken an die preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon. Heute ist die Halle UNESCO Weltkulturerbe.


Anschließend schlenderten wir noch durch den umliegenden Park und an den künstlichen Teichen vorbei. Um den größten Teich waren übrigens Froschzäune gespannt, über die man klettern musste. So etwas habe ich hatte ich bis dato auch noch nicht gesehen.



Zum späten Mittag aßen wir in einem Polnischen Restaurant. Die Geschäftsidee beruhte darauf, den Kunden mit einem Teller an einem reichlichen Büfett vorbei gehen zu lassen, den Teller nacher zu wiegen und dafür einen einen Preis pro 100g bzw kg abzurechnen. Das hatte uns allen sehr gut gefallen und satt wurden auch alle.


Die sanitären Anlagen glänzten allerdings vor allem durch klemmende Türschlößer, was zu einer Befreiungsaktion mit Messer einer älteren, ziemlich aufgeregten Dame führte.

Die Taschen aus dem Wohnheim abgeholt und auf zum Bahnhof. Hier dann schließlich in einen verspäteten Zug gesetzt und ziemlich müde zurück nach Poznan gefahren.


Rundum ein toller Ausflug mit gutgelaunten Mitstreitern.

Montag, 17.03.2008: Anna im Global Village

Der Tag beginnt gut und ausgeschlafen. Also erledige ich erst einmal meine Wäsche und gehe dann einkaufen.


Mittags steht dann ein Treffen mit meinem Betreuer wegen der Diplomarbeit an. Heute ist er sehr zufrieden und gibt mir endlich das OK zum Schreiben. Jippie. Auf gehts. Sehr motiviert beschäftige ich mich auch sofort einige Stunden damit. Davor allerdings versuche ich mich an Zwiebelkuchen und knete meinen ersten Hefeteig, der auch prompt funktioniert. Nochmal Jippie!


Am Abend treffen wir uns zunächst wegen einer Präsentation, die wir morgen halten sollen. Mir ist das eigentlich zu kurzfristig, aber es ließ sich nicht mehr anders einrichten. Aber dafür läuft es ziemlich gut, auch wenn ich immer noch nicht abschätzen kann, ob wir alles abgedeckt haben. Das sehen wir morgen. Die Hälfte der Gruppe ist schon gar nicht mehr da, weil sie sich schon in den Osterferien befinden, oder so. Ein ironisches Jippie ist hier angebracht.


Am Abend ist dann eine Veranstaltung, die sich Global Village nennt. Wir wurde vorab dazu angehalten typische nationale Gerichte und Getränke zuzubereiten – deshalb auch der Zwiebelkuchen mit dem Hefeversuch. Es werden nationale Tische mit Essen beladen, dann geht das Große probieren los. Jippie! Hmmm, leckere Sachen mit dabei. Hier ein kleiner Einblick:

französischer Tisch mit belegten Baguettes, french fries, Crepe, Quiche und einem Gemisch aus Wein, Bier UND Cola!
deutscher Tisch mit Zwiebelkuchen, Kartoffelsalat, Heißwürstchen, Fischbrötchen, Weißwurst, Haribo und Wodka Ahoi
Türkisch- Estonischer Tisch mit Resi und verschieden gerollten Fladen (Namen vergessen aber sehr lecker und ganz schön scharf), Heringshappen, Pfannkuchen und estonischer Schokolade
Deutsche Köche: Monika, Maggy, Antje, Anja und Urs

Außerdem gab es einen Englisch- Chinesischen- Russischen Tisch mit Chinanudeln, Englsichen Teigtaschen und russischem Vodka mit sauren Gurken, sowie einen Polnischen Tisch mit Pieroggen, süßen Krapfen, Glüh-Bier und Zubrowka-Apfelsaft.

Also wie ihr seht, eine Menge leckeres Zeugs!

Dienstag, 08.01.2008: Anna isst russisch

Den Tag über verbringen wir in der Uni. Am frühen Abend kocht dann Ludmila für uns russisch - mjam. Die Fotos seht ihr unten. Nach dem Essen noch mal eine kurze Session ISME- Businessplan-Präsentations-Besprechung mit Franzi und Chrissi. Wir finde immer mehr Fehler. Arggh! Halb zwölf komme ich ins Bett.


Montag, 17.12.2007: Anna streicht den ersten Kurs

Der fröhliche Beginn des Tages ist eine Wiederholung des Stoffs für Methods and Instruments of Marketing Communication, kurz MIMC. Ich habe kein gutes Gefühl, denn irgendwie war die Probeklausur gestern schon nicht eindeutig zu lösen. Ich packe zum ersten Mal zu einer Klausur mein Wörterbuch ein und mache mich auf das Schlimmste gefasst. Das tritt dann auch ein. Der Test ist einfach nur unfair. 60 Punkte verteilen sich auf 21 Multiple-Choice Fragen (wie sich das rechnerisch lösen lassen soll, kann ich nicht sagen, aber wir schreiben ja auch eine Klausur in Marketing, nicht in Mathematik...). Kaum eine der Fragen lassen sich mit Hilfe des Skriptes oder der Vorlesung lösen, die meisten nicht einmal, wenn man de zugehörige Pflichtlektüre grob quergelesen hat. Selbst mehr oder weniger auf des Nachbars Blatt zur Seite schielen oder geflüsterte Absprachen helfen nicht weiter (der Aufsicht ist das herzlich egal: der Typ starrt angestrengt auf sein Pult und scheint sich zwischendurch sogar ein Ohr zuzuhalten). Also läuft das Ganze auf Rätselraten hinaus. Wir haben 30 Minuten, nach 15 Minuten bin ich durch und kann meine Antworten beim besten Willen nicht mehr korrigieren. Sebastián, der neben mir sitzt, geht es genauso. Er zückt eine Schachtel Streichhölzer und beginnt mir logische Rätsel á la „du darfst nur drei Hölzer umlegen, dann soll die und die Form herauskommen“ zu stellen.... Immerhin ist das der erste Kurs, den ich jetzt beendet habe und getrost von meiner Liste streichen kann.


Wir gehen auf den Schock erst einmal eine heiße Schokolade schlürfen. Dann folgt eine entspannte Stunde, in der wir die ersten Präsentationen zu unseren Eindrücken in Polen sehen. Vorrangig Filme und Bilder der Studenten. Die nächste Vorlesung schenke ich mir. Schließlich ist ja bald Weihnachten.


Am Abend kocht Daniel noch einmal für uns. Es gibt Kartoffelecken, Hähnchenschenkel und Chickenwings. Wir mixen eine herrliche Marinade mit unheimlich viel Knoblauch. Meine Güte, man riecht uns über zwei Etagen kochen, aber es schmeckt sooo großartig.


Ich komme spät ins Bett und schlafe eigentlich kaum. Langsam freue ich mich wieder zu sehr auf zu Hause.


Laune: ein bisschen resigniert

Schokoladenbedarf. Möglicherweise gedeckt

Montag, 10.12.2007: Anna und die SME

Der Tag steht mal wieder sehr im Zeichen der Uni. Morgens treffen wir uns für eine Präsentation. Innerhalb einer Stunde entscheiden wir uns für mehrere Werbespots, die wir morgen als typisch deutsch vorstellen werden.


Danach mache ich mich daran für ISME (Internationalisation of small and medium enterprises) zu lernen – da steht am Mittwoch eine Klausur an. Ich komme nicht allzuweit und schlafe über eine zugehörigen Studie der EU ein. „Na ja, dann steht mir morgen ein wenig mehr bevor,“ denke ich als ich zur Uni gehe. Die fällt heute reichlich knapp aus. Einige der Vorlesungen fallen aus, die Letzte ist kürzer als erwartet.


Wieder im Wohnheim streikt unser Internet mal wieder. Das ist während der letzten Tage schon mehrmals vorgekommen und zerrt immer mächtig an den Nerven. In solchen Momenten merke ich dann erst, wie abhängig ich vom Internet geworden bin.


Lydia macht in der Montagskochgruppe Pizza. Sie schmeckt hervorragend, vielleicht auch dank der Tatsache, dass sie nicht am Knoblauch gespart hat. Ich überfresse mich, aber bevor ich Zeit habe ins Fresskoma zu fallen, treffen wir uns auch schon wieder, um uns an die Kalkulation unseres Businessplanes zu machen. Zunächst wirkt das alles sehr langwierig und mühselig. Zwei Stunden, ein halbes Mut-Mach-Bier und viele Annahmen und wilde Spekulationen später sind wir durch. Sowohl mit der Rechnung, als auch körperlich und nervlich. Die Köpfe rauchen, aber es sieht ganz gut aus. Das Ding hat Chancen zu funktionieren.


Kurz vor zwölf zurück im Zimmer, schläft Ludmila schon. Ich schreibe auch nur noch meinen Blog und werde dann endlich Feierabend machen. Dieser Erasmus-Rhythmus bekommt mir nicht.


Laune: Durch. Aber glücklich!

Schokoladenbedarf: der Situation angemessen

Sonntag, 09.12.2007: Anna am Sonntag

Ich lerne, schlafe und esse. Außerdem telefoniere ich mit meiner Familie und Stefan. Das ist auch schon alles, was heute passiert. Thomas will heute Abend noch kochen, aber ich denke, das wird spät. Ein frühes Weihnachtsessen hat er uns versprochen – jippiehh!!


Laune: ist halt nicht viel los

Schokoladenbedarf: Langeweile-bedingt hoch

Montag, 03.12.2007: Annas 12. Woche

Wow, das ist jetzt schon meine zwölfte Woche hier in Polen. Mal wieder wundere ich mich darüber wie die Zeit vergeht. Das ist schon fast ein Drittel meines Doppeldiplomprogrammes, auch wenn ich für das Diplom bisher noch herzlich wenig geschafft habe.


Ich schlage mir den Sonntag Abend noch damit um die Ohren, meinen Lebenslauf für dieses Businessplan-Projekt weiterzuspinnen, damit das Ding überhaupt Sinn bekommt (kein Student würde auf die Idee kommen, neben dem Studium mal einen GmbH mit millionenschwerem Kapital zu gründen)....


Am Montag wache ich total gerädert auf. Irgendwie macht mir diese Erkältung auf Dauer doch zu schaffen. Dann geht es in die Uni. Da ich mal wieder eine Freistunde habe, und ich nicht noch einmal ins Wohnheim will (da würde ich gar nichts schaffen), habe ich mir etwas zu Lernen eingepackt. Vor der Cafeteria steht Ludmila, die nicht mitbekommen hat, dass die Vorlesung ausfällt. Es ist auch sonst nicht so ihr Tag: Sie bestellt Hotdog und stellt fest, dass es auch Pasta gibt, verteilt den Hotdog dann über Tisch, Hose und Fußboden und grummelt irgendetwas von polnischer Unorganisiertheit.


Dann E-Commerce, das heute eine Mischung aus totaler Langeweile und unfreiwilliger Komik ist. Mein Höhepunkt ist die Präsentation von Natalie. Die soll etwas über elektronische Auktionen in der Türkei erzählen und zeigt einen Film, in dem sie ihre türkische Freundin Sevil aus dem Schlaf reißt, um sich türkische Auktionsseiten vorführen zu lassen. Oh Mensch, wie entwürdigend. Wenn dass der ukrainische Humor ist, verfehlt er mein Humorzentrum um ein bis zwei Kilometer. Neben mit verdreht Thomas die Augen. Ihm scheint es genauso zu ergehen. Willkommen im Kindergarten. Oder bei Erasmus, was manchmal erschreckend viel Parallelen aufweist.


Abends dann wieder mal Kochen im Wohnheim. Beate kocht mir ihrer Freundin Carmen und ab ins Bett. Mensch bin ich müde.


Laune: gähhhhhn

Schokoladenbedarf: ziemlich am Boden

Samstag, 01.12.2007: Anna schreibt heute zusammen mit Stefan

Der Junge ist wieder fit und bereit für einen Regenspaziergang. Vorher wird gefrühstückt. Dabei wird Stefan erst mal von meinen tollen bunten Tellern geblendet. „Davon kann man doch nicht essen, das macht doch total verrückt!!“ Dann wird Annas Regenschirm ausgepackt. Der macht übrigens mit seinen Streifen auch verrückt. Es geht zur alten Brauerei, die jetzt ein riesiges Einkaufszentrum ist. Direkt davor ist ein kleiner Weihnachtsmarkt. Davon bekommt der Junge aber nicht viel mit, denn es turnt ein Kameramann mit seiner Ausrüstung dazwischen herum. Zufällig hat unser Regenschirm ein schwarz-weißes Muster. Das ist gut geeignet, um das Auflagemaß an der Kamera einzustellen, die Schärfe und so... Der Junge zögert kurz, es vor die Linse zu halten - da hat Anna ihn schon weggezogen. “Komm Junge, wir werden hier naß!“


Das Einkaufszentrum ist wirklich groß. Es werden viele Fotos gemacht.



Anstatt den Hunger abzuwarten setzen wir uns in ein Restaurant/Kneipe/Café. Gut so, denn ich lerne noch die gefüllten Pfannkuchen kennen, die Anna so gerne mag.

Der Junge bekommt außerdem ein Lob für sein polnisches „rrrrr“. Warum weiß niemand, er kann drei Sachen sagen und muss aufpassen, dass er dabei nicht auch noch durcheinander kommt. Höflich bedankt er sich und bildet sich ein, fließend polnisch sprechen zu können. Schnell ergreifen wir die Flucht. Total überfressen rollen wir weiter.




Auf dem Rückweg schlendern wir an einem Gitarrenladen vorbei. Der ist zwar geschlossen (zu meinem Glück), aber der Junge muss stehen bleiben und drückt sich die Nase platt. Nach einer geschlagenen Stunde können wir weiter. Völlig durchnässt kommen wir im Wohnheim an, trockene Sachen anziehen, Scrubs schauen und einen Teller („oh nein, das ist schon wieder der bunte“) Obst futtern. Jetzt geht’s weiter Pizza essen. Eigentlich essen wir hier den ganzen Tag.


Laune: satt (Anna), endlich Pizza (Stefan)

Schokoladenbedarf: stöhn (Anna), "rrrrr" (Junge)

Montag, 19.11.2007: Anna und die Koch-connection

Wieder mal ein Tag mit wenig Handlung:

Zunächst stehe ich früh auf, da die Zeiten zum Austausch der Bettwäsche dieses Mal sehr ungünstig für mich liegen (will heißen ich habe keine Alternative, da ich morgen wieder mal zu den Zeiten in der Uni sein muss). Diesmal ergattere ich Bettwäsche mit vielen kleinen lila Rosen. Wie auch schon in den vergangenen Monaten ist das Bettlaken zu kurz. Ich weiß auch nicht, warum in Polen gerade an Bettlaken spart.


Letzter Feinschliff für die Präsentation. Auf zur Uni. Nach der Marketing-Vorlesung habe ich Zeit zum Wohnheim zu fahren und in den Supermarkt zu springen. Dann wieder zurück zur Uni.


Die Präsentation läuft gut, auch wenn ich mich diesmal nicht sicher im Thema fühle. Der Professor lobt uns aber, wie alle Gruppen.


Gleich geht es auf zur Kochgruppe in den ersten Stock. Franzi ist heute an der Reihe. Sie hat Nudeln mit Spinatsauce angekündigt. Ich freue mich schon. Die Koch-connection ist immer ein netter Abschluss des Montags.


Laune: langsam hungrig, aber gut

Schokoladenbedarf: muss mich zusammenreißen

Mittwoch, 14.11.2007: Anna kränkelt

Ich habe das Gefühl wieder mal krank zu werden. Das mache ich aber eigentlich nur an meiner Schlafzeit fest. Irgendwie könnte ich im Moment jederzeit schlafen, Hauptsache ich befinde mich in der Waagerechten. Außerdem habe ich eigentlich Dauerkopfschmerzen und mir ist entweder zu warm oder ich friere.


Genug gejammert. Der heutige Tag steht mal wieder ganz im Zeichen des Businessplan für den ISME Kurs. Sonst schaffe ich auch nicht viel mehr. Morgen muss ich dann ein wenig Polnisch wiederholen.


Heute Abend habe ich mir aus einem Mangelgefühl an Vitaminen einen Obstsalat zusammengeschnippelt. Mjam. Danach mit Beate einen kleinen Polnisch-Deutsch-Sprachführer für den Erasmus-Tag ausgedacht und jetzt werde ich nicht mehr viel machen. Vielleicht schlafen, denke ich.


Laune: gähn

Schokoladenbedarf: unbeeindruckt

Donnerstag, 08.11.2007: Anna schläft wenig

Die Nacht ist eine einzige Katastrophe. Christophe im Zimmer über mir, macht mal wieder Party und lässt seine Musikboxen an die Grenzen gehen. Der Häufigkeit nach muss Rhiannas Lied „Umbrella“ sein neuer Favorit sein 'eh eh eh ah ah ah'. Meine bisherige Antipathie gegen das Lied steigert sich ins bodenlose.


Ich greife das erste Mal auf meine Ohropax zurück. Die lassen mich auch einschlafen. Allerdings ist der Druck auf den Ohren so unangenehm, dass ich irgendwann in der Nacht aufwache. Gott sei Dank ist es gerade ruhig. Eine halbe Stunde später dröhnt wieder Musik von oben.


Morgens steht Ludmila dann früh auf, um ihre Mutter vom Bus abzuholen. Ich bleibe noch ein wenig liegen, werde dann ein wenig produktiv, muss ein paar Erledigungen erledigen und verbringe viel Zeit mit Scrubs. Am Nachmittag dann noch mal ein Treffen wegen der Fallstudie für Marketing. Das geht aber erstaunlich gut herum, da alle super vorbereitet sind. Ich sehe Verenas Wohnung, die wirklich toll ist. Die Lage ist gut die Zimmer groß und gemütlich.




Beim Bäcker finde ich schon das spezielle Sankt-Martins-Gebäck, das ein Spezialität aus Poznan ist: eine Art Hörnchen mit Nüssen, Trockenfrüchten und weißem Mohn mit viel Zuckerguss. Ich hatte erwartet, dass es die erste am 11. November gibt, aber ich bin gewillt, sie schon heute zu probieren. Lecker, aber so mächtig, dass ich es nicht aufessen kann.


Laune: träge

Schokoladenbedarf: gedeckt

Mittwoch, 07.11.2007: Anna zwischen Projekten und Töpfen

Auf meiner nicht kürzer werdender To-Do-Liste steht Einkaufen. Ich bin heute dran mit Kochen. Wir haben uns zu einer Gruppe zusammengeschlossen in der abwechselnd jeder für die anderen 7 Personen kocht. Normalerweise Montags, das bekomme ich aber nicht hin, da ich zu lange Uni habe, um das entspannt über die Bühne bringen zu können.


Entspannt einkaufen kann man das allerdings nicht nennen. Der Supermarkt, zu dem man extra mit der Straßenbahn anreist, ist mir einfach zu groß. Dafür findet man hier dann irgendwann auch alles, wenn man hartnäckig genug sucht und das Gemüse sieht noch einigermaßen frisch aus. Zwei Stunden später komme ich nassgeregnet und genervt im Wohnheim an.


Der Tag steht unter dem Zeichen von verschiedenen Projekten. Eigentlich vorrangig dem Businessplan - Projekt. Allein die Grobgliederung des Plans zieht sich schon über sieben Seiten und die Fragen häufen sich.


Zwischendurch eine Vorlesung und dann weiter zur Projektbesprechung. Von dort wieder an den Schreibtisch.


Dann zur Abwechslung in die Küche. Den ganzen Krempel hinschleppen und kochen. Die Nudeln sind etwas knapp kalkuliert, aber ich traue mich nicht noch mehr in den Topf zu stopfen.


Dann ist es auch schon halb zehn und das schlechte Gewissen treibt mich noch mal an den Schreibtisch. Ein paar Infos für den Businessplan zusammensuchen, damit es morgen wieder an das andere Projekt gehen kann. Ach ja, am Dienstag steht dann ja diese Klausur an, für die ich auch noch einiges lernen sollte.


Laune: erschlagen

Schokoladenbedarf: bedenklich hoch

Montag, 05.11.2007: Anna im Alltagstrott

Zunächst trabe ich zum Supermarkt. Wir haben nichts im Kühlschrank und noch schlimmer, kein Brot da. Ludmila geht es richtig schlecht und schleppt sich zum Arzt an der Universität (da gibt es so ein medical center). Sie wird allerdings gleich wieder nach Hause geschickt, weil es zu voll ist.


Eine Vorlesung fällt aus. In dieser Zeit gehe ich mit Francois, Kevin (beide Frankreich), Lan (Belgien), Agnes (Deutschland) und Lilit (Estland) essen. Sie kennen ein kleines gemütliches Lokal am Altmarkt, in dem es leckere Pfannkuchen gibt. Der Kaffee nach dem Essen ist stark und macht mir bis in den Abend hinein zu schaffen. Auf dem Rückweg zur Uni treffen wir noch einige Studenten, die mit ihrem „Restbesuch“ vom Wochenende durch die Stadt stromern – die Kamera immer griffbereit. Eigentlich waren fast alle am Wochenende auf Reisen und haben dementsprechend viel zu erzählen.


Die nächste Vorlesung ist langweilig und zieht sich. Gott sei Dank sitzt Kevin neben mir, der für Ablenkung sorgt. Zuerst helfe ich ihm einen Dankesbrief auf Deutsch zu verfassen, dann informieren wir uns aus einer französischen Lästerzeitschrift über den neusten Klatsch und Tratsch in Hollywood und Frankreich, zum Schluss schauen wir in einer Karte nach, woher wir eigentlich genau kommen.


Um halb acht mache ich mich auf den Weg zum Wohnheim. Nehme dort ein Abendbrot aus Kinderschokolade und Tee zu mir und bastle noch ein bisschen an einer Präsentation, die nun im Bayer-Aspirin-Outfit glänzt.


Laune: koffeinmäßig überdreht

Schokoladenbedarf: du meine Güte, darüber denke ich lieber nicht nach

Freitag, 02.11.2007: Anna hasst Möwen

Der Tag beginnt und und verläuft gemütlich: spät auf stehen, lange duschen, ausgiebig frühstücken, Zeitung lesen, Sachen für den Tag zusammensuchen, bei Simon Hallo sagen, ein wenig an einer Präsentation basteln, versuchen zu lesen, doch lieber schlafen, wieder mal essen. Essen scheint wirklich eine meiner Hauptbeschäftigungen zu sein, neben Schlafen.


Am Abend treffe ich mich zunächst mit Christian, Vitali und Stefan in der Mosquito Lounge. Für die Harsewinkler: das neue alte Tins. Das ist nett, die Gespräche verlaufen witzig vom Berufsleben bis hin zu Nonsense – Themen. So wird zum Beispiel diskutiert, welche Tiere wir wirklich hassen. Christian bringt Pferde ins Spiel, ich dagegen plädiere für Möwen und Tauben. Vitali und Stefan tun sich zunächst schwer, ein Hasstier ausfindig zu machen. Nach einigen Überlegen stellt sich dann aber heraus,dass gerade Vitali nahezu jedes Tier hasst: Mücken, Ziegen, Spinnen, Schlangen,...


Wir lassen den Abend im Pröddels ausklingen. Da ist es heute ungewohnt ruhig. Vielleicht allgemeine Katerstimmung. Ich weiß es nicht.


Laune: strahlend

Schokoladenbedarf: null

Donnerstag, 01.11.2007: Anna isst Rouladen

... und Kuchen und Schokoriegel und Rotkohl und Rosenkohl undKartoffeln und Erdbeercreme. Dann ist sie satt und schläft ein. Davor spielt sie noch Krocket und gewinnt auch noch, der Junge verliert, der Bruder verschläft alles und kann auch noch nicht sprechen: Gestern waren Spezial-Preise im Pröddels und eine schmierige Party im Waldhof, von der er sich nicht lösen konnte.


Laune: Gemütlich
Schokoladenbedarf: gedeckt. aber hallo

Mittwoch, 24.10.2007: Anna hat wieder Lust...

... auf den Blog. Der Tag füllt sich mit mehr oder weniger bedeutenden Kleinigkeiten. Es fängt damit an, dass ich den Pony, da er mich mehr und mehr durch seine wachsende Länge nervt, mal auf die andere Seite kämme. Großartige Leistung, die aber überhaupt nichts verändert, da mir die Haare jetzt in dem anderen Auge hängen (in dem, das besser gucken kann).


In dem Stil geht der Tag weiter. Ich bastle weiter an Präsentationen und Fallstudien, setzen einen wichtigen Schrieb für die Diplomarbeit an meinen Dekan auf. Esse Salat. Nicht weil mein Körper nach Vitaminen schreit – diesen Ruf habe ich zu ignorieren gelernt, was sich jetzt in einem kommenden Husten rächt - sondern, weil ich im Kühlschrank eine Gurke und eine halbe Tomate finde.


Am Nachmittag gehe ich zu meiner Vorlesung. Der Professor akzeptiert unsere Idee für das Projekt mit dem Businessplan. Ab sofort dürfen wir uns, daran versuchen eine Firma in Gedanken aufzuziehen, die eine neue Art Schaumstoff herstellt und auch gleich die Internationalisierungspläne mitberücksichtigen. Das ist schon mal gut. Bisher hatten wir mehrere Ansätze, aber jetzt wird es dann endlich mal etwas konkreter.


Das Kult-Konzert, das für Freitag angesetzt wurde, musste abgesagt werden, ausverkauft. Man hat sich zu spät um die Karten gekümmert. Schade eigentlich. Dafür hat Christophe für Samstag eine Führung durch Lech Brauerei organisiert. Ein probater Ersatz? Warum nicht. Mein favorisierte Biermarke ist zwar Zywiec, aber man weiß ja nie.


Jetzt gerade kann ich mich nicht entscheiden, ob ich es im Zimmer warm oder kalt finden soll.


Laune: unentschlossen

Schokoladenbedarf: was glaubst du?

Mittwoch, 17.10.2007: Anna geht aus

Der Mittwoch beginnt ziemlich ruhig, bis 14:00h habe ich erst einmal frei, dann der erste und letzte Tag für heute: Internationalsation of small and medium entreprises. Die Luft in dem Unterrichtsraum ist extrem verbraucht und schon nach wenigen Minuten beginnt der Kampf gegen die Müdigkeit (so spät war es doch gestern doch gar nicht – mein erster Pokerversuch endete aufgrund von totaler Selbstüberschätzung relativ schnell). Den anderen scheint es aber auch nicht besser zu gehen. Nach einer Stunde erbarmt sich der Professor und gibt uns die angedachte Übung als Hausaufgabe auf und schickt uns an die frische Luft.


Am Abend gehen wir essen. Auf Initiative der Buddies und ERASMUS- Koordinatoren treffen wir uns zu einem Dinner in einem Restaurantkette, der in Polen beliebten Kette Sphinx. Da wirklich fast alle 60 Studenten inklusive ihrer Buddies (Tutoren) und einige polnische Bekannte im Restaurant eintreffen, ist es extrem laut und wirr. Ich fühle mich zwischenzeitlich überfordert und möchte meine Ruhe und nach Hause. Damit wird es aber nichts. Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zu einem Club (TUBA – Club). Die Jungs haben einen Flyer bekommen, auf dem ein Wet-T-Shirt-Contest für den heutigen Abend versprochen wird. Also laufen wir los. Den Wettbewerb scheinen wir verpasst zu haben, jetzt tanzen schon nackte Mädels und ein schleimiger Typ auf der Theke. Als sie fertig sind, klettern aufmerksamkeitsgeile Mädels in kurzen Jeansröcken auf die Theke und ziehen ihre Show ab. Zu ihren Füßen stehen die Jungs und freuen sich, dass man ihenn unter den Rock schauen kann. Ich fühle mich direkt wohl und halte mich a meinem ersten und letzten Bier für heute Abend fest. Ich taue erst langsam auf, irgendwann ist mir die Musik auch so egal und tanze trotzdem. Der Rest der Gruppe wird immer betrunkener. Thomas und Pierre wollen Salsa oder Rock'n'Roll tanzen. Miau und Brito stehen an der Theke und nötigen mich auch auf die Theke zu klettern. Da es einfacher ist oben kurz zu tanzen, damit sie Ruhe geben und wir uns eh schon zum Horst gemacht haben, geben ich nach und stehe schließlich auch auf der Theke. Eigentlich ist es hier oben ganz witzig (mehr Platz und ich habe keinen Rock an). Um drei mache ich mich Franzi, Ludmila und Kevin auf den Weg zum Wohnheim, um viertel vor vier kommen wir im Wohnheim an.

Sonntag, 07.10.2007: Anna besichtigt Krakau

Am Samstag Abend gehen wir aus. Frankreich gewinnt im Rugby und dementsprechend gut sind die Franzosen drauf. Wir landen in einem Club am Altmarkt. Die Musik stimmt, es wird viel gelacht und noch mehr getanzt. Es wird spät. Oder früh. Wie man es nimmt.


Vorglühen im Hostel, natürlich mit Bier und Zubrowka (bester polnischer Wodka) und Apfelsaft











Frühstück: Spülwasserkaffee, schwarzer Tee, Brot, Müsli, Wurst, Käse, Kräuterquark, Tomaten, Gurken, Marmelade, hartgekochte Eier, u.v.m.







Um 10h müssen wir die Zimmer räumen. Wir schaffen es tatsächlich. In kleineren Gruppen erkunden wir Krakau. Da ich meinen Polenführer dabei habe, werde ich zum Cityguide ernannt.


Gruppenbild mit Kultur: Bruno, Julian, Robert, Magrico, Miau (hinten)
Christin, Ludmila, Beate, Anna, Suvi (Mitte)
Brito, Daniel, Franziska, Cem, Nuno (vorne)
ganz hinten: Kathedrale auf dem Wawel

Wir schlendern erneut zum Altmarkt, schauen uns die Marienkirche (unterschiedlich hohe Türme, Trompetenmusik zu jeder vollen Stunde) an, schlendern durch die Tuchhallen (Mekka für souveniergeile Touristen, kleine Verkaufsstände mit Bernstein, volkstümlicher Kleidung und Drachenskulpturen), laufen an verschiedenen Kirchen vorbei zum Wawel (Schlossberg mit Schloss und Kathedrale) und wandern durch das jüdische Viertel (im Krieg kaum zerstört, viele Synagogen, Schauplatz aus dem Film „Schindlers Liste“).


Tuchhallen auf dem Alten Markt













Im jüdischen Viertel mit Cem als kurzzeitigen Cityguide; nachdem er uns im Kreis herumführt (um einen Secondhand-Kleidermarkt) nehmen wir ihm die Karte wieder ab


Essen (heute Chinesisch) und zurück zum Hostel: Gepäck abholen und auf zum Bahnhof. Hier werde ich dann ein wenig nervös. Wir stellen fest, dass wir falsche Bahntickets haben, und eigentlich einen Sitzplatzreservierung brauchen. Mir tut sich ein Horrorszenario einer siebenstündigen Zugfahrt mit einem Stehplatz im Gang auf. Es regelt sich dann aber doch. Wir müssen neue Tickets kaufen, bekommen aber die alten Tickets erstattet (dauert in Poznan auch nur zwei Stunden) und können in einem Wagon sitzen, der nicht reserviert wurde, da hier die Heizung nicht funktioniert. Der Zug hat dann noch mal anderthalb Stunden Verspätung weil unser Gleis durch einen anderen Zug blockiert wird (Langsam fange ich an die Deutsche Bahn richtig zu schätzen). Um halb drei kommen wir im Wohnheim an. Unglaublich müde (am ganzen Wochenende bekam ich vielleicht 5 Stunden Schlaf), aber sehr glücklich, den Ausflug mitgemacht zu haben.

Montag, 01.10.2007: Anna wäscht

Heute werden wir in der Uni schon mehr gefordert. Die Vorlesungen werden heute vollständig gehalten, die ersten Projekte werden verteilt und die ersten Gruppen für die Präsentationen bilden sich.


Es bleibt wenig Zeit für die Mittagspause. So wie es aussieht, wird das hier nicht klappen mit den regelmäßigen Mahlzeiten. Mein Mittagessen besteht aus einem Kitkat und einem schwarzen Tee mit Zitrone (keine Sorge, dafür fällt das Abendbrot dann wieder großzügiger aus).


Nach dem Unterricht holen wir dann auch gleich unsere Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel ab. Jetzt muss ich nicht mehr alle 10 Minuten eine Fahrkarte abstempeln.


Ludmila und ich haben für heute Abend den Waschkeller reserviert. Man kann zwei Stunden lang zwei Waschmaschinen nutzen. Außerdem gibt es einen Trockenraum. Da dieser ziemlich voll ist, haben wir uns zusätzlich einen Wäscheständer ausgeliehen, so dass jetzt relativ wenig Platz im Zimmer ist. Die Schränke gehen aber noch so gerade auf. Also alles gut.

Freitag, 21.09.2007 Anna schaut sich die Uni an



Heute gibt es an der Uni eine Einführung. Die Erasmuskoordinatorin gibt uns eine Einführung über die Uni und das Studium in Poznan. Außerdem wird der Stundenplan ausgeteilt. Nur die Hälfte meiner Kurse kommt zustande. Aber laut Verena ändert sich durch das Doppeldiplom so oder so noch einiges für mich. Also heißt es erst einmal abwarten und sich auf einige Kursänderungen einstellen. Außerdem werden Taschen, Kulis und Tassen verteilt, sehr zur Freude Suvis, die bisher ihren Tee aus geborgten Gläsern trank.


Danach gibt es eine Führung über das Campusgelände. Es gibt verschiedene Gebäude, die alle wesentlich imposanter sind, als die Unigebäude in Freiberg. Das Ganze birgt einige Verirrungsrisiken, aber welche Uni kann diese nicht aufweisen? Anschließend werden wir zum Esse in der Mensa eingeladen. Es gibt – typisch polnisch – Pirogi, ein Art Maultasche mit Quark und Kartoffelfüllung. Dann werden wir entlassen.

Wir machen uns auf den Weg, um uns polnische Handynummern zu besorgen. Das klappt auch nach unzähligen Fragen und Versuchen. Die deutsche SIM Karte hat jetzt erst mal Pause. Der Vorteil an dem polnischen Tarif: angeblich kann man über das Internet kostenlose SMS auf mein Hand schreiben. Jeder selbst in Deutschland. Das muss sich aber erst noch als richtig herausstellen...


Beinahe nahtlos starten wir in das Abendprogramm: Bowling mit nahezu 50 Leuten. Dafür, das ich Bowling hasse, schlage ich mich erstaunlich gut. Mir gelingt sogar ein Strike – pures Glück. Um 21:00h fängt die Bahn an zu blinken. Diese Bowlingbahn ist eine Mischung aus Spielhölle, Internetcafe und Club. Seltsam aber einigermaßen beliebt. Wir wechseln im Laufe des Abends die Location und Essen mit der Gruppe (immer noch nahezu 40 Personen) in einer Restaurantkette und überfordern damit die Kellner restlos. Ich setze mich nach dem Essen mit einigen anderen ab. Wir wollen zurück zum Wohnheim, weil der Samstag wieder das Potential hat, anstrengend zu werden. Natürlich verpassen wir wieder knapp den Nachtbus und laufen zurück zum Wohnheim. Ankunft um 0:30h. Ich falle eigentlich nur noch ins Bett und schlafe mit brennenden Füßen ein.