Letzter ganzer Tag der Bande in Poznan. Ich weiß nicht mehr so recht, was wir in Poznan selbst noch machen sollen, und schlage deshalb einen Ausflug vor. Wir einigen uns schnell auf Torun.
Also geht es am späten Vormittag mit dem Zug los. Natürlich gibt es mal wieder Probleme mit den Tickets. Die polnische Bahn erkennt die deutschen Schülerausweise nicht an, und so müssen wir Tickets nachlösen, können uns einen Teil der Kosten in Torun erstatten lassen. Kurz droht die Stimmung zu kippen, aber das der Anblick von Torun lässt die Herzen schnell höher schlagen.

Im Mittelalter war Torun einer der bedeutensten Städte Polens und war wichtiger Handelsplatz und militärischer Stützpunkt ( der deutsche Orden hat sich hier wegen der strategisch günstigen Lage zwischen Preußen und Polen - ja ja hier haben wir es wieder mit den Teilungen Polens durch die Jahrunderte zu tun - eine Burg gebaut). Die mittelalterliche Blütezeit hat sich aber nie wiederholt. So ist Torun relativ klein geblieben und wurde im 2. Weltkrieg nicht hart umkämpft. Mit dem Ergebnis, dass es kaum Verluste in der Bausubstanz gab. Die historische Kulisse hat sich also größtenteils erhalten, was die Stadt für mich in einer gewissen Art und Weise sogar reizvoller macht als Krakau, Warschau und Poznan.
Innerhalb der Stadtmauern treffen wir zunächst auf einen schiefen Turm, als Bestandteil der alten Stadtmauer. Der Legende nach wurde er von einem sündigem Mönch erbaut, und nur fromme Menschen können sich an ihm gelehnt im Gleichgewicht halten, die seine Sünden aufwiegen können. Sowohl Christoph, als auch Niklas haben so ihre Schwierigkeiten, aber wir gehen mal nicht vom Schlimmsten aus.

Wir haben richtig Glück mit dem Wetter, so dass sich die Stadt in bestem Glanze präsentiert und die Fassaden auf dem Rynek (dem Marktplatz und dem Stadtzentrum) farbenfroh entgegenstrahlen. Unsere Route führt vorbei am Gefängnis, der Kopernikusuniversität, dem Planetarium, der Marienkirche zum Rathausplatz.

Um Torun rankt sich eine vergleichbare Legende, wie um Hameln. Anstatt mit Ratten hatte man es allerdings hier mit Fröschen aus der Weichsel zu tun, die die Stadtbewohner mit ihrem Quaken um den Schlaf brachten. Ein Flößer lockte die Frösche mit seinem schönen Geigenspiel aus der Stadt. Ihm gedenkt man auf dem Rathausplatz mit einem Brunnen.

Geschichtsstunde im Freien. Mein Buddy Aga kommt aus Torun und hatte mir zu meinem letzten Geburtstag ein Buch über Torun geschenkt. Das haben wir mit und Thesa kümmert sich um unsere Bildung, während Chrissi mit einem anderem Buch, die Führung von einem Highlight zum anderen übernimmt. Der Rest ist fürs Staunen und Fotografieren zuständig. Läuft doch.

Gestärkt von verschiedenen Kaffeespezialitäten geht unsere Tour weiter, vorbei am Denkmal für Filou, einer polnischen Karikaturfigur, der stets mit seinem Hund, Schirm und Melone auftritt. Den Hund zu streicheln soll Glück bringen. Vor allem in der Liebe und bei Prüfungen. "Seltsame Kombination" denke ich noch, und schon sind wir weiter unterwegs.

Wir ziehen weiter zu den alten Burgruinen des Deutschen Ordens. Durch ihre Regierungs- und Eroberungspolitik haben sich Kreuzritter in der Bevölkerung nicht nur Freunde gemacht, so dass ihre Bugr schließlich niedergebrannt und geplündert wurde.

Den Sturm haben noch einige Mauern der Burg und der Dansker (der Toilettenturm des Schlosses) überlebt. Die Ruinen sind geräumt worden und die Überreste bis heute besichtigbar. Zum Teil sind auch noch Kellergewölbe nutzbar.

Am neuen Markt mit dem Gasthaus zur blauen Schürze, der Straße mit dem Drachen, der in Torn angeblich einmal gesichtet wurde, am Artushof und der Kirche zu Johannes und Johannes (kein Schriebfehler) gelangen wir zum Geburtshaus von Kopernikus. Leider kommen wir zu spät, um auch das Innere zu besichtigen. Das Museum zu Toruns bekanntestem Sohn hat schon geschlossen.

Als Entschädigung gönnen wir und Gofry, Waffeln mit Sahne und Früchten. Nur Niklas hat noch genug vom Obstsalat gestern abend und entscheidet sich für Schokolade auf seiner Sahnewaffel. Wem normales Fotografieren übrigens zu leicht erscheint, sollte es mal mit so einer Waffel in der Hand probieren...

Wir schlendern noch zum Ufer der Weichsel und verweilen noch ein wenig,

genießen noch einmal die letzten Sonnnenstrahlen des Tages und machen uns dann auf den Weg zum Bahnhof.

Nach drei Stunden Zugfahrt, die wir vornehmend dösend oder schlafend verbracht haben, kommen wir schließlich wieder nach Poznan. Wir beschließen den Abend beim Mexikaner.

Müde, aber doch zufrieden geht es ins Bett. Am nächsten Morgen geht der Flug der Bande. Schöne Zeit.
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